Die Krankheit im Handgepäck
Wenn HIV-Positive reisen wollen, gibt es mehr als ein Hindernis, das sie überwinden müssen. Christoph Brandt* fliegt trotzdem rund zwölf mal pro Jahr in fremde Länder. Inzwischen kennt er alle Tricks und Kniffe.
*Name geändert
Christoph Brandt*, 39 Jahre alt, Informatik-Ingenieur, ist seit elf Jahren HIV-positiv. 2008 ist er zwölf mal verreist, acht mal davon in die USA. Dorthin also, wo die Einreise HIV-Positiven seit 21 Jahren verboten ist. Nun soll de Einreisesperre innerhalb eines Jahres aufgehoben werden. Dies berichtete der San Francisco Chronicle in einem Artikel am 1. Oktober 2008. Bis dahin können seit Oktober wenigstens jene HIV-Positive vereinfacht einreisen, welche die USA für weniger als einen Monat besuchen. Sie müssen einen Waiver beantragen, der ohne Beurteilung gewährt wird.
Ein Koffer voller Pillen
Doch bis die Einreisesperre entgültig aufgehoben wird, werden die HIV-Positiven auf dem grünen Einreiseformular einfach das Kreuz an der richtigen Stelle machen. Dort lautet eine Frage: „Hatten Sie jemals eine ansteckende, meldepflichtige Krankheit?“ Brandt hat schon unzählige Male “nein” angekreuzt und dabei lächeln müssen - die Frage ist Hindernis, das einfach zu überwinden ist. Die abertausend Pillen hingegen, die er in den letzten 11 Jahren schon gegen den HI-Virus geschluckt hat, stellen ihn beim Reisen vor grössere Herausforderungen. Neun Kapseln nimmt er täglich, fünf morgens, vier abends.
Die Aspirindose zur Tarnung
Auf Reisen muss Christoph Brandt daher Unmengen an Medikamenten mitführen. Zwar sind die Pillen mit den Jahren kleiner geworden, aber sie fallen auf bei der Gepäckkontrolle. Brandt schickt seine Medikamente deshalb vor jeder Reise per Post in die USA. Eine kleine Ration nimmt er in einem Behälter für Aspirintabletten im Handgepäck mit. Für kurze Reisen von ein paar Tagen setzt er die Medikamente ab, auch wenn damit das Risiko steigt, dass die Viren während der Pause dagegen resistent werden.
Wenn irgendetwas nicht klappt mit dem Medikamenten-Cocktail, ruft Brandt Christina Grube von der Infektiologie im Zürcher Universitätsspital an. Sie ist eine der “Study nurses” der Infektiologie. Die Fachkrankenschwester ist nicht nur für ihre Patienten da, wenns um die Pillen geht - sondern eigentlich rund um die Uhr für verschiedenste Fragen und Sorgen.
Brandt erinnert sich noch gut an ihre erste Begegnung: (01:12)
Fast alle reisen illegal ein
So wie Christoph Brandt machen es auch die anderen HIV-positiven Reisenden in der Schweiz - Christina Grube kennt fast die Hälfte von ihnen. Auf der Seite der Europäischen Aids-Behandlungsgruppe, werden diese illegalen Einreise-Möglichkeiten und deren Risiken aufgelistet.
Doch selbst wenn ein Land HIV-Positiven die Einreise erlaubt, gibt es Risiken: Der Koffer mit Medikamenten kommt nicht an, oder die Medikamente erweisen sich, wenn sie erst im Ausland gekauft wurden, als wirkungslos. Christina Grube kennt diese Probleme.
Die Fachkrankenschwester Christina Grube über die Schwierigkeiten mit Medikamenten beim Reisen und darüber, was der Virus heute bedeutet. (6:24)
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PDF der Diplomarbeit, wie sie in der Aargauer Zeitung am 1. Dezember 2008 erschien: Beim Lügen muss er lächeln
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Suche nach Ländern mit Einreisebeschränkungen
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Einige Abflüge am Flughafen Zürich, manche sind für HIV-Positive “cancelled”:
- 09.10, LX634 nach Paris
- 09.15, LX400 nach Dublin
09.45, LX236 nach Kairo- 09.55, LX154 nach Mumbai
- 10.15, LX3602/LH498 nach Mexiko City
13.00, LX14 nach New York- 13.00, LX4790 Hellsinki
- 13.30, LX4300 Bangkok
20.35, LX1324 nach Moskau21.55, SQ341 nach Singapur- 22.40, LX96/JJ8000 nach Buenos Aires
- 22.45, LX288 nach Johannesburg

Am 29. Dezember 2008 um 16:46 Uhr
Ja, bravo Sabine,
ich würde Dir die Bestnote geben für Deine Arbeit. Ist auch wirklich gut gestalltet, bin aber halt auch etwas befangen.
Persönlich hat mir Deine Diplomarbeit mit den darin enthaltenen Informationen rund um HIV ein neues Verständnis gegeben. Nicht nur bezüglich der fragwürdigen Einreisesperren sondern in die Richtung, dass Biographien mit einschneiden Gegebenheiten halt auch zu unser aller Leben gehören, sei es HIV, ein törrichter Unfall, angeborene Behinderung, vererbte oder erworbene Charakterschwäche und Geistesschwäche usw. es gehört zu uns und muss offenbar so sein.
E liebe Gruess, 29.12.08
Papi
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