Gedanken bewusst denken: Mentaltraining

Mentaltraining KopfSpitzensportler wissen aus eigener Erfahrung: Die körperliche Leistung kann man zwar trainieren, im Wettkampf besteht aber nur, wer auch mental stark ist. Mentale Stärke lässt sich ebenfalls trainieren. Doch dahinter steckt viel Disziplin und harte Arbeit.

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Corina Amrein

Wissen Sie, was Sie denken? Was für eine Frage. Ich meine, sind Sie sich bewusst, was für Gedanken Sie denken? Und wenn ja: Diese Gedanken, die Sie da denken, sind sie förderlich oder eher hinderlich auf dem Weg zu Ihrem Ziel?

Mit solchen Fragen beschäftigt sich das Mentaltraining. Sportler und Manager, die als mental stark gelten, haben erkannt, dass Erfolg auch eine Frage der Gedanken ist. Tennis-Profi Roger Federer, Skispringer Simon Ammann, Motorradfahrer Tom Lüthi und andere Spitzensportler machen’s vor: Egal ob ein Gegner besonders fordernd, ein Wettkampf besonders heikel oder eine Niederlage besonders schwer ist: Sie bewahren ihre Ruhe und konzentrieren sich voll auf ihren Einsatz.

Man ist, was man denkt

Reto FadenWas genau ist Mentaltraining? Humbug? Esoterik? Weder noch. Mentales Training ist harte Arbeit. Der Trainierende, der „Trainee“, merkt bald: ohne Disziplin geht es nicht. Denn nur durch das regelmässige Beobachten und Analysieren der eigenen Gedanken wird einem klar, was im eigenen Kopf vorgeht. Dazu muss der “Trainee” bereit sein, eigene Schwächen ohne Wenn und Aber zu betrachten.

„Was Sie erreichen, hängt davon ab, wie Sie über sich selbst, ihr Leben und die Menschen um Sie herum denken“, sagt Reto Faden, Mentaltrainer bei Swiss Olympic, „Indem Sie die Qualität ihres Denkens ändern, ändern Sie auch die Qualität ihres Tuns“. Dies wiederum habe direkten Einfluss auf die eigenen Lebensumstände. Seine Gedanken zu trainieren bedeute in erster Linie, Verantwortung für sein eigenes Leben zu übernehmen.

Reto Faden, Mentaltrainer bei Swiss Olympic erklärt: (49 sec.)

 

Lars Weibel über den Umgang mit Niederlagen

Lars WeibelEishockey-Goalie Lars Weibel arbeitet seit Jahren mit einem Mentaltrainer zusammen. Bei dieser Arbeit nimmt der Profi-Sportler seine Gedanken bewusst unter die Lupe: „Wie denke über eine Niederlage? Welche Gedanken bringen mich näher an mein Ziel, welche Gedanken hindern mich auf diesem Weg?“ Negative Gedanken werden in positive, motivierende Gedanken umgemünzt. Dennoch bleiben auch ihm Niederlagen nicht erspart. Und Niederlagen – gesteht der 34-Jährige - sind die schwierigsten Herausforderungen in seinem Leben. Auch nach all den Jahren müsse er immer weiter an sich arbeiten, sagt Lars Weibel. Ausgelernt habe man nie.

Die harte Arbeit zahle sich allerdings nicht nur im Sport sondern auch im Privatleben aus: „Ich bin ruhiger und ausgeglichener geworden und verpuffe weniger Energie. Sei es auf der Strasse beim Autofahren, im Privatleben – oder eben im Sport.” Durch Mentaltraining habe er gelernt, jene Energie, die ihm zur Verfügung steht, besser einzuteilen.

Wichtig vor einem Match sei die gezielte Vorbereitung. Dafür nimmt sich Lars Weibel viel Zeit – und er nimmt sich den Luxus, sich in einem Nebenraum im Eishockey-Stadion alleine auf seine Goalie-Arbeit vorzubereiten.

Lars Weibel entspanntLars Weibel über seine Vorbereitung: (1:12 Min.)

Vor einem Match nimmt sich Lars Weibel Zeit für Entspannung, Atmung und Yoga-Übungen. Meist macht er ein paar Durchgänge des Yoga-Sonnengrusses:

SLIDESHOW – Lars Weibel mit dem Yoga-Sonnengruss

 

Esoterisches Geplänkel oder wissenschaftliche Tatsachen

Schlagworte wie Entspannung und Bewusstsein sind eng verbunden mit Mentaltraining. Unweigerlich sehen sich Mentaltrainer mit Vorurteilen konfrontiert: Esoterik, Humbug, Manipulation etc. Lars Weibel betont, dass mentales Training religionsneutral sei. Und Mentaltrainer Reto Faden erklärt: „Durch das bewusste Steuern von Gedanken werden chemische Prozesse ausgelöst. Körper, Geist und Seele sind ein Verbundsystem. Beeinflusst man den einen Bereich, so hat das Auswirkungen auf das ganze System. Man arbeitet also mit nichts anderem als seinen eigenen natürlichen Grundlagen.“

NASA erprobt

Die Anfänge des Mentaltrainings gehen zurück ins Jahr 1908. Der aus Schottland stammende US-Industrielle Andrew Carnegie - ein äusserst erfolgreicher Mann - beschäftigte sich mit der Frage, ob Erfolg nur zufällig entsteht oder aber ob der Mensch sein eigenes Glück beeinflussen kann. Carnegies Forschungen wurden schliesslich auch nach seinem Tod weiterverfolgt. Und in den 60ger Jahren beschäftigten sich Psychologen der amerikanischen Raumfahrt NASA mit dem Erforschen der Gedanken-Kontrolle: Ein Astronaut muss fähig sein, in schwierigsten Situationen klar denken und fokussiert handeln zu können. Die Psychologen entwickelten eigene Methoden für das mentale Training, griffen aber auch auf Bestehendes wie autogenes Training oder Yoga zurück.
Später entdeckten mehr und mehr auch Spitzensportler und Manager das mentale Training für sich.

Den kompletten Audio-Beitrag zum Thema Mentaltraining hören Sie hier:

Teil 1 (8:58 Min.)

Teil 2 (9:46 Min.)

Teil 3 (9:48 Min.)

 

Infos zum Mentaltraining mit Reto Faden:
www.coacon.ch

Infos über Eishockey-Goalie Lars Weibel:
www.evz.ch

Portraitfilm über Lars Weibel:
www.weissfilm.ch/produktionen/doku_evz_weibel.php

Bildquellen:
- adlaskan.blogspot.com
- evz.ch
- Corina Amrein

 

 

Eine Reaktion zu “Gedanken bewusst denken: Mentaltraining”

  1. Reto Faden

    Hallo Corina

    Ich hoffe, dir geht es gut in Indien?!
    Deine MAZ-Arbeit und die Einbindung auf deiner Website finde ich sehr gut!

    Für die nächsten Wochen wünsche ich dir viele tolle Erfahrungen und eine Weiterentwicklung, damit du persönlich deinen Weg findest und deinem Traum ein wenig näher kommst.
    Ich denke oft an dich - und beneide dich im Moment sehr.

    Liebe Grüsse

    Reto Faden

    Ps: Übrigens - wir haben am 10.2.09 eine Gian Matteo bekommen. Mutter und Kind sind wohlauf.

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